„Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken; danach standen sie auf, um sich zu vergnügen.“
2. Mose 32,6
Dieses Wort aus der Geschichte vom goldenen Kalb ist erstaunlich aktuell.
Mose ist auf dem Berg. Gott spricht. Das heilige Gesetz wird gerade gegeben. Doch unten wird das Volk ungeduldig … Es erträgt das Warten nicht mehr, ebenso wenig die Stille und die sichtbare Abwesenheit seines Führers. Deshalb macht es sich einen Gott, den es sehen kann – einen Gott, der greifbarer, zugänglicher und mehr den eigenen Wünschen entsprechend ist.
Nachdem sie Opfer dargebracht hatten, heißt es im Text ganz schlicht:
„Danach standen sie auf, um sich zu vergnügen.“
Es war nicht einfach ein harmloses Fest. Es war ein Vergnügen, das aus einer Entfernung von Gott heraus entstand. Eine selbstgemachte, laute und fleischliche Freude, die eine geistliche Leere überdecken sollte.
• Der moderne Mensch und das ständige Bedürfnis nach Ablenkung
Der Mensch von heute ähnelt sehr diesem Volk am Fuß des Sinai. Er erträgt die Stille nur schwer. Er braucht Lärm, Bilder, Benachrichtigungen, Bildschirme, Freizeitbeschäftigungen, Emotionen, Unterhaltung und ständig etwas Neues.
Denn Stille kann für eine Seele, die vor Gott flieht, gefährlich werden. In der Stille meldet sich das Gewissen. In der Stille kommen die wirklichen Fragen wieder an die Oberfläche:
„Wer bin ich? Wohin gehe ich? Warum ist diese innere Leere da? Was werde ich mit Gott tun? Was werde ich mit Christus tun?“
• Unterhaltung ist nicht immer etwas Schlechtes
Wir müssen gerecht bleiben: Sich zu entspannen, zu lachen, einen einfachen Moment miteinander zu teilen, die Schönheit der Schöpfung zu bewundern oder sich mit der Familie und mit Freunden zu freuen – all das kann gut sein. Gott hat den Menschen nicht dazu geschaffen, in ständiger Traurigkeit zu leben.
Doch die Gefahr beginnt dort, wo die Unterhaltung zu einer Zuflucht vor Gott wird. Wenn sie das Gebet ersetzt, das Gewissen einschläfert und den Platz des Wortes Gottes einnimmt.
Das Problem ist nicht nur, was der Mensch anschaut oder anhört. Manchmal liegt das Problem tiefer:
Warum braucht er all das so sehr?
• Eine Generation, die nicht mehr warten kann
Am Fuß des Sinai konnte das Volk nicht auf Mose warten. Es wollte sofort etwas haben. Einen sichtbaren Gott. Ein sofortiges Fest. Eine schnelle Befriedigung.
Ist das nicht auch unsere Zeit? Wir wollen alles „sofort“!
Doch Gott formt uns oft gerade in der Wüste. Er spricht in der Ruhe. Er lehrt uns Geduld und möchte, dass wir nicht nur von ständigen Reizen leben, sondern aus Glauben.
„Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.“
Psalm 46,11
• Die wahre Ruhe der Seele
Der Mensch sucht Unterhaltung, weil er versucht, seine innere Leere zu vergessen. Doch Gott will den Menschen nicht einfach nur ablenken: Er will ihn retten, heilen und mit sich versöhnen.
Jesus ist nicht gekommen, um uns zu unterhalten, sondern um uns Ruhe zu geben:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe geben.“
Matthäus 11,28
Unterhaltung kann uns für einige Stunden beschäftigen, aber nur Christus schenkt ewige Ruhe und Frieden mit Gott!
• Eine Frage an uns heute
Die Frage lautet also nicht: Dürfen wir uns vergnügen?
Die eigentliche Frage ist:
Was regiert unser Herz?
Bin ich noch fähig, vor Gott still zu werden?
Habe ich Durst nach seinem Wort?
Suche ich Christus – oder nur eine angenehme Atmosphäre?
Lasse ich mich vom Geist Gottes führen – oder von meinem Bedürfnis, ständig angeregt und unterhalten zu werden?
Am Fuß des Sinai stand das Volk auf, um sich zu vergnügen, während Gott sprach.
Möge der Herr uns davor bewahren, dasselbe zu tun!
Möge er uns lehren, die Ablenkungen zu erkennen, die uns von ihm entfernen, und die tiefe Freude seiner Gegenwart wiederzuentdecken.
Denn die wahre Freude liegt nicht im Lärm, der uns betäubt, sondern in der Ruhe und in der Gemeinschaft mit Gott.
„Vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich.“
Psalm 16,11
Franz
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