… sah ich den Herrn!
Lesung: Jesaja 6,1–8
Aus dem Anfang dieses Kapitels können wir sehr viel lernen, denn es zeigt uns, was geschieht, wenn ein Mensch die Herrlichkeit Gottes sieht: Er erkennt sich selbst, wie er wirklich ist. Er rechtfertigt sich nicht mehr, er demütigt sich und redet nicht mehr leichtfertig. Er wird von der Heiligkeit Gottes ergriffen.
Wenn der Mensch die Heiligkeit Gottes sieht
„Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron …“
Jesaja 6,1
Dieses Detail ist wichtig. König Usija ist gestorben. Eine menschliche Herrschaft geht zu Ende, ein irdischer Thron wird leer. Doch Jesaja sieht einen anderen Thron: den Thron Gottes, der niemals leer ist.
Das ist eine ermutigende Botschaft: Menschen vergehen, Reiche verändern sich, menschliche Sicherheiten brechen zusammen — aber Gott regiert in Ewigkeit!
Er ist der heilige, herrliche und souveräne König.
Die erste Reaktion Jesajas: „Wehe mir, ich vergehe …“
Jesaja 6,5
Das ist sehr stark. Im vorherigen Kapitel hatte Jesaja mehrere „Wehe“ über das Volk ausgesprochen. Doch hier, vor Gott, sagt er: „Wehe mir!“
Eine echte Vision Gottes macht uns nicht stolz. Sie zerbricht uns. Sie zeigt uns unseren wahren Zustand.
Jesaja erkennt, dass er ein Mann mit unreinen Lippen ist und mitten unter einem Volk mit unreinen Lippen lebt. Warum gerade die Lippen? Weil unser Mund den Zustand unseres Herzens offenbart.
Unsere Worte zeigen oft, was in uns ist: Murren, Härte, Lüge, Kritik, Leichtfertigkeit, Stolz, Unglaube …
Bevor Jesaja zum Volk reden kann, muss er erkennen, dass sein eigener Mund Reinigung braucht.
Das ist eine sehr aktuelle Lektion: Wer für Gott reden möchte, muss zuerst zulassen, dass Gott seinen Mund reinigt.
Gott reinigt, bevor Er sendet
Gott sendet einen Seraphim, der mit einer glühenden Kohle vom Altar die Lippen Jesajas berührt.
„Deine Schuld ist von dir genommen, und deine Sünde ist gesühnt.“
Jesaja 6,7
Bevor Gott Jesaja beauftragt, lässt Er ihn nicht in seiner Unwürdigkeit stehen. Er reinigt ihn.
Darin sehen wir ein tiefes Bild: Die Reinigung kommt vom Altar. Für uns, im Licht des Neuen Testaments, weist dies auf das Kreuz hin. Dort hat Christus unsere Sünden getragen. Durch Sein Blut sind wir gereinigt worden.
Jesaja reinigt sich nicht selbst. Er empfängt eine Reinigung, die von Gott kommt.
Das erinnert uns daran: Die Heiligkeit Gottes soll uns nicht nur erzittern lassen; sie soll uns auch zu Seiner Gnade führen. Gott offenbart die Sünde, aber Er sorgt auch selbst für die Sühnung.
Nach der Reinigung kommt der Ruf
„Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?“
Jesaja 6,8
- Jesaja antwortet mutig: „Hier bin ich, sende mich!“
Jesaja sieht zuerst Gott.
Dann erkennt er seine Sünde.
Danach wird er gereinigt und gesandt.
Diese Reihenfolge ist sehr wichtig. Man beginnt nicht mit Aktivismus. Man beginnt nicht damit, „etwas für Gott zu tun“.
Man beginnt damit, sich demütig vor Ihn zu stellen.
Wahrer Dienst entsteht aus einem gereinigten Herzen — nicht nur aus einem willigen Temperament.
Eine schwierige Mission
Es ist klar, dass Gott Jesaja nicht mit einer einfachen Botschaft sendet. Er kündigt ihm an, dass das Volk hören, aber nicht verstehen wird; sehen, aber nicht wirklich erkennen wird.
Das ist ein schwieriger Abschnitt, denn er spricht von der Verhärtung des Volkes. Jesaja wird zu Menschen predigen müssen, die zum großen Teil nicht hören wollen.
Auch das ist heute sehr aktuell. Gott treu zu sein bedeutet nicht immer, Zustimmung zu bekommen. Die Wahrheit zu sagen garantiert nicht, dass Herzen sich bekehren.
Manchmal offenbart die Klarheit des Wortes umso mehr den Widerstand der Herzen.
Das lehrt uns: Treue misst sich nicht nur an sichtbaren Ergebnissen, sondern an unserem Gehorsam gegenüber dem Ruf Gottes.
Was dieser Text uns heute sagt
Jesaja 6 könnte man so zusammenfassen:
Bevor man für Gott spricht, muss man von Seiner Heiligkeit ergriffen sein.
Bevor man gesandt wird, muss man gereinigt werden.
Bevor man die Sünde des Volkes anprangert, muss man die eigene Sünde erkennen.
Bevor man dient, muss man anbeten.
Franz
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