Das Beispiel Josias...

... oder die Rückkehr zum vergessenen Wort

Ich lade dich ein, mit mir 2. Könige 22–23 und 2. Chronik 34–35 zu lesen.

Das Beispiel des Königs Josia ist für den Christen von heute von großer Aktualität. Seine Geschichte zeigt uns, was geschieht, wenn ein aufrichtiges Herz das Wort Gottes entdeckt — oder neu entdeckt — und bereit ist, sich von diesem Wort zurechtweisen zu lassen.

Zur Zeit Josias bestand der Tempel noch. Es gab noch eine äußere Form von Religion, Gottesdienste, Rituale und eine geistliche Geschichte. Und doch war das Buch des Gesetzes vergessen und beiseitegelegt worden.

„Ich habe das Buch des Gesetzes im Haus des HERRN gefunden.“
2. Könige 22,8

Welch ein Beispiel für uns! Es ist möglich, Gottesdienste, Lieder, Traditionen und christliche Aktivitäten zu haben und dennoch das Zentrum verloren zu haben: das Wort Gottes, das empfangen, geglaubt und befolgt wird. Es ist auch möglich, dass wir unsere Bibel beiseitegelegt haben — ordentlich einsortiert im Bücherregal!

Als Josia die Worte des Buches hört, relativiert er sie nicht. Er betrachtet diesen Text nicht als zu hart und denkt auch nicht, man müsse ihn an seine Zeit anpassen. Im Gegenteil: Er zerreißt seine Kleider — ein Zeichen der Demütigung und der Buße.

„Als der König die Worte des Buches des Gesetzes hörte, zerriss er seine Kleider.“

Josia erkennt mit Schrecken, wie weit sich das Volk von Gott entfernt hat. Er begreift, dass Götzendienst, Kompromiss und Ungehorsam keine Nebensächlichkeiten sind.

Das Wort Gottes weckt unser Gewissen.

Das ist eine erste Lektion: Eine echte Lektüre der Bibel lässt uns nicht bequem und unberührt zurück, sondern führt uns zu Gott zurück. Sie erleuchtet, korrigiert, weist zurecht und stellt wieder her. Sie ist nicht dazu da, unsere eigenen Gedanken zu bestätigen, sondern unser Leben dem Willen des Herrn zu unterstellen.

Josia behält diese Entdeckung nicht für sich. Er versammelt das Volk und lässt die Worte des Bundes öffentlich vorlesen.

So bekommt das Wort Gottes wieder seinen rechtmäßigen Platz inmitten des Volkes und in den Herzen.

Das ist auch ein Ruf an die Gemeinde von heute. Eine Gemeinde kann aktiv, herzlich und gut organisiert sein; doch wenn das Wort Gottes nicht mehr im Zentrum steht, verliert sie ihre Orientierung. Nicht neue menschliche Methoden bringen Erweckung hervor, sondern die demütige Rückkehr zu dem, was Gott bereits gesagt hat.

Doch Josia bleibt nicht bei der Emotion stehen. Er handelt. Er reinigt den Tempel, zerstört die Götzen, entfernt falsche Kulte und reißt fremde Altäre nieder. Seine Buße wird konkret und sichtbar.

Das Hören des Wortes muss zum Gehorsam führen.

Es genügt nicht, von einer Predigt berührt oder durch eine Bibellesung bewegt zu sein. Die eigentliche Frage lautet: Was möchte Gott in mir verändern?

Die Götzen, die Josia zerstört, befanden sich nicht nur außerhalb. Einige waren sogar in das Haus Gottes hineingebracht worden!

Das mag unglaublich erscheinen. Doch auch heute können Dinge den Platz einnehmen, der allein Gott gehört: Geld, Bequemlichkeit, Anerkennung, menschliche Traditionen, religiöse Macht oder ein falscher Frieden, der die Wahrheit meidet.

Josia lädt uns deshalb ein, uns selbst zu prüfen:

Was hat in meinem Herzen einen Platz eingenommen, der allein Gott zusteht?

Nachdem Josia entfernt hat, was Gott entehrte, stellt er das Passah wieder her. Er führt das Volk zurück zur Erinnerung an die Befreiung. Für uns Christen weist dies auf Christus hin, unser wahres Passahlamm, das Lamm Gottes, das für unsere Sünden geschlachtet wurde.

Die Rückkehr zum Wort Gottes besteht also nicht nur darin, das Böse aufzudecken. Sie besteht vor allem darin, zu Gott zurückzukehren — zu Christus, zum Kreuz, zur Gnade und zur Heiligkeit.

Gott lobt Josia für seine Antwort:

„Weil dein Herz weich geworden ist und du dich vor dem HERRN gedemütigt hast...“
2. Könige 22,19

Darin liegt das Geheimnis: ein berührtes Herz, ein demütiges Herz, ein Herz, das empfindsam bleibt für die Stimme Gottes.

Josia zeigt uns, dass echte Erweckung dort beginnt, wo das vergessene Wort wiedergefunden, mit Ehrfurcht aufgenommen und von wirklichem Gehorsam begleitet wird.

Wenn mich das Wort Gottes zurechtweist — diskutiere ich dann darüber, oder lasse ich mich von ihm zur Ehre Gottes verändern?

Franz

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